Depression: Ketamin lähmt das Anti-Belohnungszentrum

20.05.2018
Lange Zeit wusste niemand genau, wie das Anästhetikum Ketamin die Stimmung hebt. Forscher vermuten jetzt, dass es die Gegenspieler des dopaminergen Belohnungssystems ausschaltet.
In Experimenten mit Affen führten Belohnungen zu einer Aktivierung des dopaminergen Belohnungssytems, gleichzeitig wurde die neuronale Aktivität in den Habenulae heruntergefahren. Der umgekehrte Fall sei zu beobachten, wenn die Belohnung ausfällt, die ein Tier normalerweise bekommt, sobald es eine Aufgabe erledigt hat. Dann würden die dopaminergen Neurone des Belohnungssytems deaktiviert und die Neurone der Habenulae aktiviert. "Die Habenulae sind eng mit dem Belohnungssytem verbunden, sie bilden offensichtlich ein Gegengewicht, ein Anti-Belohnungssystem", so Prof. Arolt, Uniklinik Münster. Bei Depressiven sei dieses System offenbar aus dem Takt geraten, und Ketamin trage zu einer Normalisierung überaktiver Habenulae bei.
Arolt führte Experimente an Mäusen mit erlernter Hilflosigkeit an: Solche Tiere erleiden wiederholt einen unangenehmen Reiz, dem sie sich nicht entziehen können. Mit der Zeit werden sie apathisch, lassen die Reize über sich ergehen und reagieren nicht mehr auf Erfolge. Bei solchen Tieren wurden übermäßig aktive Habenulae festgestellt. Die Strukturen feuerten nicht nur häufiger, Forscher beobachteten auch merkwürdige Bursts von elektrischen Entladungen, die sie bei gesunden Tieren nicht fanden. Gaben sie den Nagern Ketamin, verschwanden die Bursts und das Verhalten normalisierte sich.

Arolt V. Depression. 8. Psychiatrie Update Seminar, Wiesbaden, 9.3.2018

In/Fo/Neurologie&Psychiatrie 2018;20(5)